Socken haben ihren festen Platz in jeder Stricktasche. Mützen auch. Aber Handschuhe und Stulpen? Die werden oft übersehen – zu Unrecht. Denn kaum ein anderes Projekt vereint so viel auf so wenig Platz: schnelle Ergebnisse, perfekte Reisebegleitung, wunderbare Geschenke und eine echte Spielwiese für Techniken wie Colorwork, Zöpfe oder einfach schöne Farbspiele.

Ob fingerlose Stulpen für den Übergang, kuschelige Fäustlinge für den Winter oder sogar echte Fingerhandschuhe für die ambitionierte Strickerin – in diesem Artikel erfährst du alles, was du wissen musst: Welche Projekttypen es gibt, wie sie konstruiert werden, welches Garn sich wofür eignet und welche Fehler du vermeiden kannst.

Die drei Projekttypen: Was willst du stricken?

Bevor du zum Garn greifst, lohnt sich ein Blick auf die Unterschiede. Denn „Handschuhe stricken" kann vieles bedeuten.

Fingerlose Stulpen (Handstulpen, Pulswärmer)

Fingerlose Stulpen sind der einfachste Einstieg. Im Grunde strickst du einen Schlauch – vom Bündchen bis zu den Fingern, mit oder ohne Daumenloch. Die Finger bleiben frei, die Hände bleiben warm, und du brauchst weder Abnehmen für einzelne Finger noch komplizierte Daumenkonstruktionen.

Stulpen sind perfekte Erstprojekte für alle, die bisher nur flach gestrickt haben und den Einstieg in die Rundenstrickerei suchen. Die Technik ist dieselbe wie beim Sockenschaft: Maschen auf dem Nadelspiel oder der kurzen Rundstricknadel verteilen und einfach im Kreis stricken. Der Unterschied: keine Ferse, keine Spitze, kein Stress.

Zeitaufwand: Ein Paar fingerlose Stulpen in Fingering-Garn ist in einem Wochenende fertig. In DK oder Worsted noch schneller.

Fäustlinge (Fausthandschuhe)

Fäustlinge sind der nächste Schritt: Du strickst den Handteil als Schlauch, setzt einen Daumen ein und schließt die Spitze mit Abnahmen. Die Konstruktion erinnert an eine vereinfachte Socke – nur ohne Ferse.

Der Daumen ist das Herzstück jedes Fäustlings. Es gibt verschiedene Methoden, ihn einzusetzen, und alle haben ihre Berechtigung. Die zwei wichtigsten:

Der Daumenkeil (Gusset): Du nimmst über mehrere Runden gleichmäßig Maschen zu und bildest so einen keilförmigen Zwickel, der dem Daumen Platz gibt. Das ist die komfortabelste Variante, weil der Daumen sich natürlich in die Handform einfügt. Klassische Selbu-Fäustlinge aus Norwegen werden traditionell mit Daumenkeil gestrickt.

Die Daumenlücke (Afterthought Thumb): Du strickst über den Daumenbereich hinweg, legst die Maschen auf ein Hilfsgarn still und strickst den Daumen später separat ein. Einfacher in der Ausführung, etwas weniger anatomisch – aber völlig ausreichend für die meisten Projekte.

Zeitaufwand: Ein Paar einfarbige Fäustlinge in DK dauert etwa 8–12 Stunden. Mit Colorwork entsprechend mehr.

Fingerhandschuhe

Fingerhandschuhe sind die Königsdisziplin. Die Grundkonstruktion ist wie bei Fäustlingen, aber statt einer geschlossenen Spitze werden fünf einzelne Finger gestrickt – jeder auf sehr wenigen Maschen. Das erfordert Geduld und ein Nadelspiel in kleiner Stärke, aber das Ergebnis ist unschlagbar.

Fingerhandschuhe eignen sich besonders, wenn die Handschuhe alltagstauglich sein sollen: Telefonieren, Radfahren, Arbeiten – mit Fäustlingen wird das schwierig. Die Konstruktion ist nicht grundsätzlich schwieriger als bei Fäustlingen, nur kleinteiliger. Wer Socken stricken kann, kann auch Fingerhandschuhe stricken.

Zeitaufwand: Deutlich mehr als bei Fäustlingen – rechne mit 15–25 Stunden pro Paar, je nach Garn und Muster.

Konstruktion: Wie wird gestrickt?

Alle drei Projekttypen werden in der Runde gestrickt. Das bedeutet: Du brauchst entweder ein Nadelspiel (DPN – Doppelspitznadeln) oder eine kurze Rundstricknadel bzw. die Magic-Loop-Technik mit einer langen Rundstricknadel.

Nadelspiel (DPN)

Die traditionelle Methode: 4 oder 5 Nadeln, die Maschen werden verteilt, die letzte Nadel strickt im Kreis. Für Handschuhe und Stulpen funktioniert das hervorragend, weil der Umfang klein genug ist. Die meisten Anleitungen sind für DPN geschrieben.

Tipp für Einsteiger: Holz- oder Bambusnadeln halten das Garn besser als Metallnadeln. Gerade bei wenigen Maschen pro Nadel rutschen auf glattem Metall schnell Maschen ab.

Magic Loop

Bei der Magic-Loop-Methode verwendest du eine Rundstricknadel mit langem Kabel (mindestens 80 cm) und ziehst das Kabel an zwei Stellen heraus, sodass sich die Maschen auf zwei Hälften verteilen. Keine losen Nadeln, kein Jonglieren – viele Strickerinnen schwören darauf, besonders unterwegs.

Welche Nadelstärke?

Die Nadelstärke richtet sich nach dem Garn – aber für Handschuhe solltest du tendenziell eine halbe Nadelstärke kleiner wählen als auf der Banderole angegeben. Das Gestrick soll dicht und winddicht sein, nicht locker und luftig. Gerade bei Fäustlingen und Fingerhandschuhen macht das einen spürbaren Unterschied.

Und wie immer: Eine Maschenprobe ist bei Handschuhen besonders wichtig. Ein Zentimeter zu viel oder zu wenig am Umfang macht bei einem Handschuh den Unterschied zwischen „passt perfekt" und „rutscht ständig ab".

Die richtige Garnwahl

Die Garnwahl hängt davon ab, was du strickst und wie der Handschuh getragen wird. Ein paar Grundregeln:

Für fingerlose Stulpen und Fäustlinge: Weichheit zählt

Fingerlose Stulpen liegen direkt auf der Haut – oft am Handgelenk, einer empfindlichen Stelle. Hier ist ein weiches, hautfreundliches Garn wichtiger als maximale Strapazierfähigkeit. 100 % Merino ist eine ausgezeichnete Wahl.

KFO Merino im Fingering-Gewicht (250 m / 50 g, 100 % Merino, non-superwash) ergibt feine, weiche Stulpen mit wunderschönem Maschenbild. Die 97 Farben machen die Garnwahl zur reinen Freude. Und da Stulpen wenig Abrieb ausgesetzt sind – anders als Socken – ist der fehlende Nylon-Anteil hier kein Problem.

Wenn es schneller gehen soll: KFO Heavy Merino im Worsted-Gewicht (125 m / 50 g) strickt sich deutlich zügiger. Ideal für kuschelige Fäustlinge, die an einem Wochenende fertig sein sollen. Dieselbe weiche Merinowolle, nur kräftiger.

Für Fingerhandschuhe und Alltagshandschuhe: Haltbarkeit zählt

Fingerhandschuhe, die wirklich getragen werden – beim Radfahren, im Alltag, an der Leine – brauchen mehr Substanz. Hier lohnt sich ein Garn mit Nylon-Anteil, genau wie bei Socken. Die Fingerspitzen sind die Schwachstelle: Dort entsteht Reibung, dort nutzt sich reines Merino schneller ab.

Hedgehog Fibres Sock Yarn (90 % Superwash Merino, 10 % Nylon, 400 m / 100 g) liefert Haltbarkeit und Schönheit in einem. Die handgefärbten Farben aus Cork, Irland, ergeben selbst bei schlichten glatt-rechts-Handschuhen ein Hingucker-Ergebnis. Mit 400 m auf 100 g reicht ein Strang für ein Paar Handschuhe und oft bleibt sogar noch Garn übrig.

Für Colorwork-Fäustlinge: Tradition trifft Farbe

Fäustlinge und Colorwork gehören zusammen wie Nadeln und Garn. Die traditionellen Selbu-Fäustlinge aus Norwegen – mit ihrem charakteristischen Achtblatt-Rosenmuster – sind eines der schönsten Colorwork-Projekte überhaupt. Und sie sind erstaunlich gut machbar, auch für Colorwork-Einsteigerinnen: Die Motive wiederholen sich, der Umfang ist überschaubar, und Fehler lassen sich leicht korrigieren.

Rauma Finull (100 % norwegische Wolle, Sport, 175 m / 50 g) ist das Garn für diesen Zweck. 137 Farben, ein kardiertes Garn, das beim Stricken leicht verhakt und nach dem Waschen wunderbar bloomed – genau richtig für zweifarbige Muster. Die norwegische Stricktradition hat Finull nicht zufällig zum Standard gemacht.

Für dickere, rustikale Fäustlinge im isländischen Stil ist Istex Léttlopi (100 % isländische Wolle, Aran, 100 m / 50 g) eine hervorragende Wahl. Die Zwei-Schicht-Struktur der isländischen Wolle – außen wasserabweisend, innen isolierend – macht Léttlopi-Fäustlinge unglaublich warm. Mit Nadelstärke 4–5 und dem Aran-Gewicht sind sie an einem Abend gestrickt.

Wer ein DK-Garn für Colorwork-Fäustlinge sucht, das etwas glatter und strukturierter ist: Sandnes Peer Gynt (100 % norwegische Wolle, DK, 91 m / 50 g) ergibt ein sauberes, gleichmäßiges Maschenbild und ist in 75 Farben erhältlich. Ein norwegisches Arbeitspferd, das seinen Ruf seit 1938 verteidigt.

Mehr zum Thema Farbkombinationen findest du in Die Kunst des Farbkombinierens, und für Colorwork-Grundlagen lohnt sich ein Blick in Norwegermuster stricken.

Größen und Passform

Anders als bei Mützen oder Schals ist die Passform bei Handschuhen entscheidend. Ein zu weiter Handschuh wärmt nicht richtig, ein zu enger spannt und ist unbequem. Drei Maße sind wichtig:

Der Handumfang: Miss über den Knöcheln (ohne Daumen) und nimm das Ergebnis als Basis. Die meisten Anleitungen geben Größen als Handumfang in Zentimetern an.

Die Handlänge: Vom Handgelenk bis zur Spitze des Mittelfingers. Wichtig für die Gesamtlänge des Handschuhteils.

Die Daumenlänge: Vom Daumenansatz bis zur Daumenspitze. Wird oft vergessen, macht aber den Unterschied zwischen einem Handschuh, der gut sitzt, und einem, der am Daumen spannt oder schlackert.

Für fingerlose Stulpen reicht in der Regel der Handumfang – plus die Entscheidung, wie lang sie werden sollen. Bei Fäustlingen und Fingerhandschuhen brauchst du alle drei Maße.

Fünf Tipps, die den Unterschied machen

Eng genug stricken. Handschuhe sollen dicht sein. Lieber eine halbe Nadelstärke kleiner als zu locker – das Gestrick wird windabweisender, formstabiler und wärmt besser.

Den zweiten Handschuh sofort stricken. Das Second-Sock-Syndrome gibt es auch bei Handschuhen. Am besten beide nacheinander stricken, solange die Begeisterung noch frisch ist – sonst liegt ein einsamer Handschuh monatelang im Projektstapel.

Beim Colorwork: Spannfäden locker halten. Zu feste Spannfäden auf der Rückseite ziehen das Gestrick zusammen und machen den Handschuh enger als geplant. Im Zweifel lieber etwas lockerer – bei Fäustlingen mit Muster ist das besonders wichtig.

Einen Faden für den Daumen einplanen. Wenn du den Daumen später einsetzt (Afterthought-Methode), markiere die Stelle mit einem kontrastfarbigen Hilfsgarn. Das macht das spätere Aufnehmen der Maschen viel einfacher.

Fingerlose Stulpen als Probeprojekt nutzen. Wenn du ein neues Garn testen willst, bevor du einen Pullover damit strickst: Stulpen sind perfekt. Du bekommst ein Gefühl für das Garn, testest die Maschenprobe am lebenden Objekt – und hast am Ende ein tragbares Ergebnis statt eines Quadrats.

Warum Handschuhe stricken sich lohnt

Handschuhe und Stulpen sind die unterschätzten Alleskönner im Strickuniversum. Sie verbrauchen wenig Garn – oft reicht ein einzelner Strang. Sie sind tragbar und machen jedes Outfit persönlicher. Sie eignen sich hervorragend als Geschenke, weil die Größe leichter zu treffen ist als bei einem Pullover. Und sie sind eine wunderbare Spielwiese für Techniken, die du in größeren Projekten einsetzen willst.

Ob schlichte Stulpen aus KFO Merino für den Übergang, handgefärbte Fingerhandschuhe aus Hedgehog Fibres Sock Yarn für den Alltag oder traditionelle Selbu-Fäustlinge aus Rauma Finull für die kalten Monate – das Prinzip ist immer dasselbe: Kleines Projekt, großer Effekt.

Wer Socken stricken kann, kann auch Handschuhe stricken. Und wer noch keine Socken gestrickt hat, findet in Socken stricken für Anfänger den perfekten Einstieg in die Welt der kleinen Runde.


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